Exklusiv-Interview mit Designerin Anja Gockel auf der #MBFW 2020


Von Barbara Miletic 31. Januar 2020


Vor der Anja Gockel Show auf der Berliner Fashion Week am 14. Januar 2020 trafen wir die Modedesignerin persönlich. Im Hotel Adlon Kempinski wurde ihre neue Kollektion „Joy“ vorgestellt. Die Designerin des Jahres 2017 erzählte uns, woher ihre Inspiration für „Joy“ kommt und welche Trends uns in diesem Jahr erwarten.

Anja Gockel
Anja Gockel auf dem Weg ins Foyer im Hotel Adlon Kempinski zur Show ihrer neuen Kollektion “Joy”.

 

Frau Gockel, was sind denn die Trends, die uns 2020 erwarten?

Anja Gockel: 2020 erwartet uns Farbe, uns erwarten Blumen, die aber fast virtuell aussehen. Alle Prints, die quasi von der Natur entliehen, aber ganz extrem verändert sind. Ein Print, den wir in meiner Show sehen, stellt zum Beispiel Bäume dar, sprich einen Wald. Dieser Wald ist allerdings in viele Farben getaucht. Wir nehmen quasi die Natur und verändern sie nach unserem Geschmack.

Erzählen Sie doch etwas mehr zu Ihrer neuen Kollektion. Woher kam die Inspiration für dieses Thema?

Anja Gockel: Meine neue Kollektion heißt ‚Joy‘. Sie ist inspiriert von ‚Ode an die Freude‘ von Ludwig van Beethoven, der Europa-Hymne. Meine Kollektionen haben immer ein inhaltliches Thema. Ich mache ja ‚Content Fashion‘, das heißt, ich möchte immer eine Aussage, also Content, mit reinbringen und diese heißt ‚Joy‘. Das liegt daran, dass mir besonders wichtig ist, dass wir in unserem täglichen Leben die Freude am Leben nicht vergessen, und dass die uns letztendlich die Stärke gibt, Unmögliches möglich zu machen. Ich finde, genau diese Freude brauchen wir heute wieder, damit wir die Themen, die auf uns zukommen und die komplex und groß sind, gut bewältigen können.

Mit “Joy” sollen wir vor allem unsere Lebensfreude nicht vergessen. Die Kollektion ist inspiriert von Beethovens Ode an die Freude.

 

Wie fiel die Wahl auf Paul Mitchell als Stylingpartner, was bedeutet die Marke für Sie?

Anja Gockel: Paul Mitchell habe ich mir ganz bewusst ausgesucht. Zum einen, weil ich deren Produkte liebe und seit Jahren verwende. Wenn man vier Kinder hat und zwei Unternehmen, dann ist man nicht immer perfekt gestylt (lacht). Einmal habe ich beispielweise René [Kommunikation Paul Mitchell] morgens um Fünf aus dem Zug geschrieben: ‚Alles super, ich habe euer Shampoo verwendet und fühle mich toll!‘ Mir gefällt sehr, was das Produkt von sich aus für meine Haare macht.

Der zweite Faktor, besonders für die Fashion Week, ist, dass Paul Mitchell ein ganz tolles Stylistenteam hat, mit dem wir unsere individuellen Looks entwickeln können. Das läuft Hand in Hand, mit viel Liebe, ohne jegliche Reibereien. Ich habe es noch nie erlebt, dass ein Backstage-Bereich mit so viel Ruhe und Harmonie läuft und alles auf den Punkt fertig wird.

Anja Gockel
Das Paul Mitchell Team, Stylingpartner, und Anja Gockel arbeiten schon seit Jahren zusammen.

 

Wie bekommt man denn alles unter einen Hut: Familie, Unternehmen und die neue Kollektion?

Anja Gockel: Es ist nicht immer ganz einfach, aber ich schaffe es wirklich dank meines Teams, dank meines Mannes und meiner Kinder, die alle verstehen, was ich in diesem Leben ausdrücken möchte. Sie stehen alle gemeinsam hinter mir und unterstützen mich. Dafür bin ich auch unglaublich dankbar – das ginge nämlich nicht, wenn man Gegenwind bekäme.

Sustainable Fashion: Nachhaltigkeit wird auch in der Mode immer wichtiger. Ihre Gedanken dazu?

Anja Gockel: Ich werde in den nächsten Monaten auf die Seite der Nachhaltigkeit vom Ministerium kommen. Seit 24 Jahren mache ich nachhaltige Mode „Made in Germany“. Wir haben jede Größe nur einmal, insgesamt sechs Teile – in jeder Größe eins. Damit soll deutlich werden: Wir sind ein Handwerk, wir wollen das Produkt wirklich mit Liebe kreieren. Ich finde, der Kunde sollte extrem vorsichtig sein, wenn von großen Firmen die Worte kommen wie ‚mit Liebe gemacht‘, das könnten auch einfach nur Marketingtools sein.

Außerdem sollten wir sehr vorsichtig sein, wo produziert wird. Wir haben in der Mode 48 Millionen Sklaven, die für uns arbeiten. Viele Billigprodukte werden von Sklaven genäht, die keine Freiheit haben ihren Job zu verlassen. Und wir tolerieren es, weil wir uns darüber freuen, dass wir wenig Geld ausgeben müssen. Der Kunde sollte sich daher fragen, ob es nicht schöner ist, etwas zu tragen, was menschlich nachhaltig produziert ist, bei dem man den Produzenten oder den Designer kennt. Es fühlt sich ganz anders an, als wenn man so einen billig kreierten Fummel anzieht.

Mehr zu Anja Gockel: www.anja-gockel.de

Schaut euch außerdem unser Video zur Anja Gockel Show auf YouTube an!