Neue Player – Friseurexklusivität oder Retail


Von Marina Klofat 9. Mai 2018


Immer dann, wenn eine Vermischung von Friseurexklusivität und Retail stattfindet, schlagen die Wellen in unserer Branche hoch – da wird der Henkel-Konzern aufgrund des Syoss-Launches zum Henker der Friseurmarken geschrieben, TIGI ist wegen der Platzierung im Drogeriemarkt schuld am Umsatzrückgang aller Salons und jeder Friseur, der Produkte online verkauft, ist ein Verräter seiner Zunft.

Wieso eigentlich? Warum reagieren wir so allergisch auf die Konkurrenz aus dem Supermarktregal? Glaubt irgendein Friseur wirklich, dass die neue Head & Shoulders Werbung für Kundenschwund in seinem Salon sorgt? Ganz ehrlich – wie wäre es stattdessen, sich an die eigene Nase zu fassen, zu analysieren, was man besser machen könnte und mit neuen Konzepten auf Kundenfang zu gehen? In anderen Branchen ist es doch das Gleiche, wir Journalisten sind ein gutes Beispiel dafür. Seit Jahren wird uns prophezeit, dass Print-Produkte bald tot sind – wir leben zwar immer noch, aber nur, weil wir flexibel sind und die neuen Herausforderungen annehmen. Mir wäre es auch lieber, ich könnte von Ausgabe zu Ausgabe steigende Auflagenzahlen und neue Rekordumsätze an unseren Geschäftsführer melden und immer so weitermachen wie vor zehn Jahren. Doch Fortschritt bedeutet eben Wandel, deshalb sind wir heute nicht nur ein Printmagazin, sondern haben eine Website, Accounts auf Instagram, Facebook und Twitter und obendrein noch einen YouTube-Channel.

Deshalb habe ich auch kein Problem damit, an dieser Stelle über neue Player zu berichten – darüber kann man sich entweder aufregen oder es als neue Spielregel akzeptieren und trotzdem versuchen, zu gewinnen …

Da sind zum Beispiel Mona und Julia, die als „Langhaarmädchen“ Karriere gemacht haben. Mona, gelernte Friseurmeisterin, schmiss vor drei Jahren alles hin und ging nach Australien. Dort kaufte sie einen alten VW-Bus, fuhr von Hostel zu Hostel und veranstaltete Stylingpartys. Bald gesellte sich ihre Freundin Julia, ebenfalls Friseurmeisterin, dazu und die beiden zogen als Langhaarmädchen durchs Land – so erfolgreich, dass sogar ProSieben auf sie aufmerksam wurde und über sie berichtete. Und jetzt der nächste Schritt – exklusiv für dm haben sie die Pflege- und Stylingmarke Langhaarmädchen mit momentan 16 Produkten entwickelt. Hätten sie als gelernte Friseurinnen etwa Nein sagen sollen, weil ein böser Drogeriemarkt dahintersteckt? Würden Sie Nein sagen?

Genauso ging es wohl Boris Entrup, als die Traditionsmarke GARD bei ihm angerufen hat. Boris, der sich als Make-up-Artist einen Namen gemacht hat, ist auch gelernter Friseur (was eine Grundvoraussetzung ist, um Make-up-Artist zu werden) und wird in seiner Karriere wahrscheinlich noch nie mit Produkten von GARD gearbeitet haben – weder im Salon noch Backstage. Doch es ist sein gutes Recht, die Marke zu repräsentieren, es ist sein Recht, sein Können auf diese Art zu Geld zu machen und vor Journalisten der Publikumspresse Sätze wie „Der Kurfestiger ist mein Hero-Produkt, denn damit lassen sich sämtliche Umformungen langanhaltend realisieren“ zu sagen. Die Präsentation fand übrigens im Salon von Thomas Kemper in München statt – und ich glaube nicht, dass er seitdem weniger Umsatz macht, weil ihm GARD Professional, wie es offiziell heißt, Kundschaft wegnimmt.

Und genauso wenig wird Amazon mit seinem neuen Online-Shop für Friseurtools schuld daran sein, wenn Friseur XY weniger Umsatz macht.
Also vertraut auf euer Können, seid flexibel und habt kreative Ideen – oder schimpft, lasst alles beim Alten und geht irgendwann unter.